Patrick Meybohm, Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Würzburg
Abstract
Kinderanästhesie ist anspruchsvoll. Auch wenn die perioperative Mortalität niedrig ist, sind respiratorische und kardiozirkulatorische Komplikationen perioperativ häufig, so dass Sicherheitskonzepte wie das „10-N“-Konzept der Safetots-Initiative empfohlen werden. In Deutschland bestehen erhebliche Versorgungslücken, eine zersplitterte Kinderchirurgie, eine unterfinanzierte ambulante Versorgung und Fehlanreize des DRG-Systems. Die Krankenhausreform fokussiert auf eine Zentralisierung, um die Versorgungsqualität zu verbessern, birgt aufgrund unzureichender Finanzierung für die Vorhaltung von kinderanästhesiologischer Expertise aber auch zusätzliche Risiken. Notwendig sind verbindliche Strukturmerkmale und konsequente Bündelung pädiatrisch-anästhesiologischer Expertise.
Einleitung
Pro Jahr werden in Deutschland mehrere hunderttausend Kinder und Jugendliche anästhesiologisch versorgt – im Operationssaal, in der Diagnostik (z. B. Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Endoskopie), bei Interventionen, im Schockraum und auf Intensivstationen. Kindernarkosen finden in praktisch allen operativen und vielen nicht-operativen Disziplinen statt: Kinderchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Traumatologie, Kinderurologie, Neurochirurgie, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie, HNO- und Augenheilkunde sowie Kinderherzchirurggie. Die klinischen Anforderungen reichen vom elektiven Routineeingriff im Rahmer ambulanter Operationen bis zur Hochrisikoversorgung des Frühgeborenen mit angeborenen Herzfehlern. Trotz dieser inhaltlichen Breite und gesellschaftlichen Relevanz findet die Kinderanästhesie in der gesundheitspolitischen Debatte um Krankenhausreform, Personalplanung und ambulante Versorgung bisher nur wenig systematische Berücksichtigung. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die anästhesiologische Versorgung von Kindern und Jugendlichen aus drei Perspektiven: dem klinischen Risiko, der Strukturqualität und der gesundheitspolitischen Rahmensetzung, und benennt zentrale Forderungen für eine generationengerechte Gesundheitsversorgung.
Warum Kinderanästhesie besonders ist
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Diese vielzitierte Maxime der pädiatrischen Medizin wird in der Anästhesiologie besonders deutlich: Anatomie, Physiologie, Pharmakokinetik und Psychologie unterscheiden sich fundamental. Säuglinge und Kleinkinder besitzen kaum funktionelle Sauerstoffreserven; eine Hypoxie führt rasch zu Bradykardie und Kreislaufstillstand. Atemwegsprobleme und kardiozirkulatorische Instabilität dominieren die akute perioperative Komplikationsmatrix. Hinzu kommt die enorme Heterogenität der Patientengruppe: Frühgeborene mit weniger als 1.000 g Körpergewicht stehen Jugendlichen mit über 80 kg gegenüber, und das innerhalb desselben Fachbereiches.
Auch für Anästhesistinnen und Anästhesisten, die Kinder selten versorgen, entstehen spezifische Belastungen: Sie sind mit den kleinen Dimensionen wenig vertraut, manuelle Grundtechniken (Maskenbeatmung beim Säugling, Punktion einer Säuglingsvene, Intubation eines Kleinkindes) werden selten geübt, der Umgang mit ängstlichen Kindern und besorgten Eltern ist herausfordernd. Unbekanntes erzeugt Stress und Stress erhöht die Fehleranfälligkeit. Auch die schiere Vielfalt der Normwerte und Materialgrößen ist eine Herausforderung: „ganz viele Normwerte“ und „ganz viele Tubusgrößen“ sind kein Witz, sondern klinischer Alltag.
ganz viele Normwerte
| Alter | Gewicht | Herzfrequenz | Systolischer Blutdruck (mmHg) | Atemfrequenz (/min) |
| Neugeborenes | 3.5 kg | 100-180 | 60-100 | 25-60 |
| 3 Monate | 5 kg | 30-170 | 70-100 | 25-55 |
| 6 Monate | 7 kg | 80-160 | 70-100 | 25-55 |
| 1 Jahr | 10 kg | 70-150 | 70-102 | 20-40 |
| 2 Jahre | 12 kg | 60-140 | 74-104 | 20-40 |
| 4 Jahre | 16 kg | 60-140 | 78-108 | 20-40 |
| 6 Jahre | 20 kg | 60-135 | 82-112 | 15-30 |
| 8 Jahre | 25 kg | 60-135 | 86-116 | 15-30 |
| 10 Jahre | 30 kg | 60-135 | 90-120 | 15-30 |
| 12 Jahre | 40 kg | 60-120 | 90-124 | 14-20 |
| 14 Jahre | 50 kg | 60-120 | 90-128 | 14-20 |
Kantonsspital Luzem
ganz viele Beatmungsschläuche (Tubus)
| Alter | Tubusgröße | Einführtiefe (ab Zahnleiste) |
| FG 2 kg | 2,5 - 3,0 (ohne Cuff) | 8 cm |
| NG 3 kg | 3,0 - 3,5 (ohne Cuff) | 9 cm |
| 3kg - 6 Mon. | 3,0 - 3,5 | 10 cm |
| 6 Mon. - 1J. | 3,5 | 11-12 cm |
| 1J. - 2J. | 3,5 - 4,0 | 12-13 cm |
| 2J. - 4J. | 4,0 | 13-14 cm |
| 4J. - 6J. | 4,5 | 14-15 cm |
| 6J. - 8J. | 5,0 | 15-16 cm |
| 8J. - 10J. | 5,5 | 16-17 cm |
| 10J. - 12J. | 6,0 | 18-19 cm |
Historische Lehrstücke: Infusionstherapie und Sicherheit
Die jüngere Geschichte der Kinderanästhesie ist eine Geschichte aus Lehrstücken, in der scheinbar harmlose Routine zu schweren Schäden führte. 1992 wurden in den Vereinigten Staaten zahlreiche Todesfälle infolge hyponatriämischer Enzephalopathie publiziert, retrospektiv wurden tausende Fälle pro Jahr geschätzt. Ursächlich waren hypotone, glukosereiche Infusionslösungen, die im Zusammenspiel mit einer postoperativen ADH-Sekretion zur Hyponatriämie und schließlich zur Hirnschwellung führten. 2004 empfahlen die ersten Fachgesellschaften, statt hypotoner Lösungen ausschließlich isotone 0,9 %ige Natriumchlorid-Lösungen zu verwenden, allerdings noch mit Glukosezusatz. 2006 hielt eine britische Umfrage fest, dass die Mehrzahl der Anästhesistinnen und Anästhesisten weiter an der traditionellen 4 %igen Glukose-Lösung in 0,18 %iger Natriumchlorid-Lösung festhielt, bis 2007 in Nordirland eine Fernsehreportage diese Lösung für den Tod von Kindern verantwortlich machte. Heute gelten isotone Vollelektrolytlösungen mit definiertem Glukoseanteil von etwa 1 % als perioperativer Standard. Die Geschichte zeigt: Sicherheit in der Kinderanästhesie ist ein fortlaufender, evidenzbasierter Prozess, und noch kein erreichter Zustand.
Wie häufig sind Komplikationen? Daten aus APRICOT
Die bislang größte prospektive Beobachtungsstudie zur Sicherheit der Kinderanästhesie ist die APRICOT-Studie (Anaesthesia Practice in Children Observational Trial). Habre und Mitautoren analysierten zwischen April 2014 und Januar 2015 31.127 Anästhesien bei 30.874 Kindern in 261 europäischen Zentren. Die 30-Tage-Mortalität lag bei 10 pro 10.000 Anästhesien. Tod ist in der Kinderanästhesie also selten. Wesentlich häufiger sind jedoch "typische" Komplikationen: Bronchospasmus, Laryngospasmus, postoperativer Stridor, pulmonale Aspiration, hämodynamische Instabilität, Kreislaufstillstand, Anaphylaxie, Medikamentenfehler und neurologische Schäden. Die Inzidenz schwerer respiratorischer kritischer Ereignisse betrug etwa 3,1 %; die Inzidenz schwerer kardiovaskulärer kritischer Ereignisse 1,9 %. Risikofaktoren waren Alter unter einem Jahr, schwere Vorerkrankungen, ein akuter oder chronischer respiratorischer Infekt sowie ein Eingriff abseits pädiatrisch spezialisierter Zentren.
Die Quintessenz von APRICOT ist eindeutig: Tod ist selten, aber relevante Komplikationen sind häufig und die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens hängt nachweislich von der Strukturqualität der versorgenden Klinik ab. Für eine generationengerechte Versorgung müssen wir die strukturellen Voraussetzungen für sichere Kinderanästhesie systematisch sicherstellen.
Risiko Kinderanästhesien
Tod ist selten ABER häufig „typische" Komplikationen
‣ Bronchospasmus
‣ Laryngospasmus
‣ Postoperativer Stridor
‣ Pulmonale Aspiration
‣ Hämodynamische Instabilität
‣ Kreislaufstillstand
‣ Anaphylaxie
‣ Medikamentenfehler
‣ Neurologischer Schaden

Safetots: Das 10-N-Konzept
Die internationale Initiative „Safetots“ hat unter maßgeblicher Beteiligung der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Kinderanästhesie (WAKKA) einen einprägsamen Qualitätsstandard formuliert: das 10-N-Quality-Check. Er definiert zehn "normale" Zielzustände, die während jeder Kindernarkose gewährleistet sein sollen: keine Angst und kein Stress (no fear), normales Volumen, normaler Blutdruck, normale Herzfrequenz, normaler Sauerstoffpartialdruck, normaler Kohlendioxidpartialdruck, normales Natrium, normaler Blutzucker, normale Temperatur sowie Freiheit von Schmerzen (no pain), postoperativer Übelkeit und Erbrechen (non vomoting) sowie Delir (no agitation). Hinter dieser scheinbar simplen Liste steckt ein anspruchsvolles Versorgungsverständnis: Sicherheit entsteht nicht durch ein einzelnes Medikament oder Maßnahme, sondern durch ein konsequent kindgerechtes, evidenzbasiertes, teamorientiertes und multimodales Vorgehen.
Das 10-N-Konzept eignet sich auch als Audit-Werkzeug. Strukturierte Erhebung der Zielwerte – inklusive Komfort, Schmerz und Delir – ermöglicht messbare Qualitätssteigerung in OP, Aufwachraum und auf Station. Sicherheit wird damit von einem abstrakten Anspruch zu einer messbaren Größe.
Safetots: 10 N quality check list
- Keine Angst, kein Stress
- Normales Volumen
- Normaler Blutdruck
- Normale Herzfrequenz
- Normaler pO₂
- Normaler pCO₂
- Normales Natrium
- Normaler Blutzucker
- Normale Temperatur
- Keine Schmerzen/PONV/Delir

Strukturqualität in Deutschland
Auf einer übergeordneten Ebene haben WAKKA und Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) im Jahr 2026 die aktualisierte Empfehlung „Arbeitsplatz Kinderanästhesie“ veröffentlicht (Anästh Intensivmed 2026;67:V12–V19). Sie definiert Mindestanforderungen an Personal, Ausstattung, Notfallorganisation und Versorgungskette: kindgerechtes Monitoring, dezidierte Beatmungstechnik, Standard Operating Procedures (SOP) sowie kinderanästhesiologische Expertise.
Arbeitsplatz Kinderanästhesie (2026)

Anaesth Intensivmed 2026-67-V12_VY1
Risiken in Deutschland: Versorgungslandschaft im Umbruch
Die anästhesiologische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist strukturell heterogen. Nicht überall sind Anästhesistinnen und Anästhesisten mit Erfahrung in der Kinderanästhesie verfügbar. Qualität wird nicht standardisiert erfasst. Das DRG-System benachteiligt die Pädiatrie systematisch: Komplexität wird unzureichend abgebildet, Zeitaufwand und kindgerechte Strukturen werden nicht refinanziert. Besonders deutlich wird dies in der ambulanten Versorgung: Eine Sedierung oder Narkose beim Zahnarzt für ein zwei- bis dreijähriges Kind ist in wirtschaftlicher Hinsicht nicht kostendeckend abbildbar, obwohl die fachlichen Anforderungen in vielen Fällen denen einer stationären Versorgung entsprechen.
Eine weitere Schwachstelle ist die Zersplitterung der Kinderchirurgie: Bundesweit existieren rund 90 Standorte mit eigenständiger Abteilung oder Sektion für Kinderchirurgie, die Subdisziplinen Neugeborenen-, Säuglings- und Fehlbildungschirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Kinderurologie, Kindertraumatologie, Kinderonkochirurgie, Neurochirurgie und Verbrennungschirurgie unterscheiden sich in Verteilung und Verfügbarkeit zum Teil erheblich. Hinzu kommt, dass in allen chirurgischen Fächern Erwachsenen-Chirurg:innen auch die Kinder mitversorgen können, da es keine Alterslimitierung nach unten gibt. Für die Anästhesie heißt das: Kindernarkosen werden auch in Krankenhäusern durchgeführt, in denen die chirurgische und/oder die anästhesiologische Erfahrung für komplexe pädiatrische Eingriffe teilweise unzureichend ist.
Krankenhausreform und Leistungsgruppen
Die Krankenhausreform (Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz, KHVVG, in Verbindung mit den landesrechtlichen Umsetzungen, KHAG-Reformen) führt erstmals bundeseinheitliche Leistungsgruppen ein. Sie bilden die Grundlage einer Konzentration komplexer Leistungen auf qualifizierte Standorte und können – richtig gemacht – einen großen Hebel für die Versorgungsqualität in der Pädiatrie darstellen. Allerdings wurden im aktuellen Entwurf zentrale Spezial-Leistungsgruppen („Spezielle Kinder- und Jugendmedizin“, „Spezielle Kinderchirurgie“) gestrichen und dann in die allgemeinen Leistungsgruppen integriert. Die Integration der speziellen Kinder- und Jugendchirurgie der Leistungsgruppe 16 in die Leistungsgruppe „Allgemeine Kinder- und Jugendchirurgie“ lässt die gesonderten Qualitäts- und Kostenstrukturen der speziellen und komplexen Kinderchirurgie außer Acht. Die Nichtberücksichtigung der speziellen Versorgungsstrukturen schwächt die Versorgung schwer und chronisch kranker Kinder und Jugendlicher. Sie muss in der gesundheitspolitischen Diskussion klar als Qualitätsmerkmal benannt werden, auch wenn sie in der aktuellen Datengrundlage noch nicht hinreichend belegt ist.
Ambulante Kinderanästhesie – das unterschätzte Risiko
Die ambulante Anästhesie für Kinder – etwa beim niedergelassenen Zahnarzt, in der Kinderorthopädie oder bei radiologischen Diagnostik-Verfahren – wächst kontinuierlich. Sie ist für viele Familien unverzichtbar, weil stationäre Aufenthalte vermieden werden können. Gleichzeitig ist sie mit besonderen Anforderungen verbunden: Die personelle und apparative Ausstattung an Praxen und ambulanten Operationszentren entspricht teilweise nicht den Anforderungen an eine sichere Kinderanästhesie. Notfallausstattung, Aufwachraum-Standards und postoperative Überwachung weichen von den stationären Standards und nationalen Empfehlungen ab. Die Vergütung der ambulanten Kinderanästhesie ist seit Jahren nicht angemessen angepasst worden, sodass Anbieter unter wachsendem wirtschaftlichem Druck stehen. Wenn von Einzelnen Standards in der Fläche immer wieder unterschritten werden können, ohne dass Sanktionen drohen, stellt sich die Frage, wie viele Zwischenfälle (und damit Todesfälle) eine Gesellschaft "akzeptiert". Dies ist letztlich keine medizinische, sondern eine gesundheitspolitische Frage. Sie verlangt eine ehrliche Auseinandersetzung und konsequente Mindeststandards: definierte Strukturanforderungen, verpflichtende Fortbildung, transparente Auditfähigkeit und eine aufwandsadäquate Refinanzierung der ambulanten Kinderanästhesie.
Simulation, Teamtraining und kontinuierliche Fortbildung
Sichere Kinderanästhesie ist Teamarbeit und Teamarbeit will gelernt sein. Realistische Simulationen (Full-Scale-Simulation Atemwegsnotfall bei Säuglingen, Crew-Resource-Management, Schockraum-Simulation Polytrauma Kind) reduzieren nachweislich die Latenz bis zur korrekten Maßnahme und steigern die Sicherheit. Eine flächendeckende Verfügbarkeit pädiatrischer Simulationszentren gibt es in Deutschland nicht; viele Anästhesistinnen und Anästhesisten weichen zur Weiter- und Fortbildung auf wenige spezialisierte Standorte aus. Eine systematische, refinanzierte Fortbildung pro Anästhesie-Mitarbeitenden mit pädiatrischen Pflichtanteilen wäre ein kostengünstiger, hochwirksamer Hebel.
Perioperative Schmerztherapie und Elterneinbindung
Postoperative Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Agitation und Delir bestimmen für Kinder und Eltern die Wahrnehmung der Anästhesie oft stärker als die OP selbst. Standardisierte Schmerzpfade (intraoperative Multimodal-Konzepte mit Paracetamol, Ibuprofen, Metamizol bei entsprechender Indikation, Regionalanästhesie wann immer möglich, restriktive Opioidanwendung) reduzieren nicht nur Schmerzen, sondern auch postoperative Übelkeit und Erbrechen, Liegezeiten und Delir. Die kindliche Wahrnehmung der perioperativen Phase ist prägend; nicht selten begleitet sie ein ganzes Leben. Ein zentraler Baustein ist die strukturierte Elterneinbindung: Aufklärungsgespräche in kindgerechter Sprache, frühzeitige Begleitung in den OP, Möglichkeit der Elternanwesenheit bei Einleitung und Aufwachen sowie eine klare Kommunikation der häuslichen Schmerztherapie. Diese menschliche Dimension wird in DRG- und Leistungsgruppen-Logik nicht abgebildet, ist aber Kernbestandteil pädiatrischer Versorgungsqualität.
APS

Fazit
Kindernarkosen sind anspruchsvoll und benötigen spezialisierte Expertise. Sicherheit ist messbar, etwa über das 10-N-Konzept der Safetots-Initiative, und systematisch verbesserbar. Die ambulante Kinderanästhesie ist strukturell unterfinanziert und qualitativ heterogen. In der stationären Kinderanästhesie verzerren Fehlanreize des DRG-Systems die Versorgungsrealität, und die Krankenhausreform droht in ihrer aktuellen Form, Spezialstrukturen weiter zu schwächen, statt sie zu sichern. Eine generationengerechte Gesundheitsversorgung verlangt verbindliche Strukturmerkmale, die konsequente Aufnahme spezieller pädiatrischer Leistungsgruppen und eine angemessene Refinanzierung der ambulanten Kinderanästhesie.

Prof. Dr. med. Patrick Meybohm
ist seit 2020 Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Uniklinikum Würzburg. Er studierte und promovierte an der Georg-August-Universität Göttingen bevor er seine Weiterbildung als Anästhesist/Intensivmediziner im Jahr 2003 am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, startete. Im Jahr 2009 folgte die Habilitation und 2012 der Wechsel nach Frankfurt/Main.
Seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Intensivmedizin, perioperatives Outcome, präoperative Vorbereitung von Hochrisikopatienten sowie Patient Blood Management. Er ist leitender Prüfer verschiedener klinischer Studien, ist (Co-)Autor von mehr als 700 Original- und Übersichtsarbeiten und konnte mehr als 25 Mio. Drittmittel (u.a. DFG, BMBF, BMG, Industrie) einwerben. Viele seiner Arbeiten wurden mit wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet.
Foto: Robert Wenzel (Uniklinikum Würzburg)
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